Warning: "continue" targeting switch is equivalent to "break". Did you mean to use "continue 2"? in /homepages/22/d616689607/htdocs/clickandbuilds/TFD/wp-content/plugins/revslider/includes/operations.class.php on line 2254

Warning: "continue" targeting switch is equivalent to "break". Did you mean to use "continue 2"? in /homepages/22/d616689607/htdocs/clickandbuilds/TFD/wp-content/plugins/revslider/includes/operations.class.php on line 2258

Warning: "continue" targeting switch is equivalent to "break". Did you mean to use "continue 2"? in /homepages/22/d616689607/htdocs/clickandbuilds/TFD/wp-content/plugins/revslider/includes/output.class.php on line 2931
Geschlechter(un)ordnung – Transfamily
Home / Geschlechter(un)ordnung

Geschlechter(un)ordnung

Geschlechter(un)ordnung: Female Masculinity

 

Eine Einführung

von Ulle Jäger

Es gilt in unserer Gesellschaft als Tatsache, dass es zwei und nur zwei Geschlechter gibt, nämlich männlich und weiblich bzw. Mann und Frau. In die öffentliche Wahrnehmung ist inzwischen durchgedrungen, dass es auch Leute gibt, die sich dieser strengen zweigeschlechtlichen Ordnung verweigern. Menschen, die sich nicht an die angeblich natürlich gegebene Deckungsgleichheit von Körpergeschlecht und Geschlechtsrolle halten. Die ihr Geschlecht wechseln. Sei es permanent durch operative und hormonelle Eingriffe, oder sei es durch das Anlegen der entsprechenden Kleidung etc. Die bislang vorherrschende Vorstellung ist dabei reduziert auf Transvestiten und Transsexuelle, und die meisten gehen nach wie vor davon aus, dass es sich dabei um Männer in Frauenkleidern oder um Mann-zu-Frau-Transsexuelle handelt. Es gibt jedoch auch die entgegengesetzte Übergangsrichtung: Männliche Frauen und Frauen, die als Männer leben. Für diese Weisen, Geschlecht zu leben steht im folgenden der Begriff „Female Masculinity“.

Dieser Begriff stammt von der US-amerikanischen Kulturwissenschaftlerin Judith Halberstam, die sich unter diesem Titel mit verschiedenen Arten Männlichkeit zu leben befasst, die nicht an einen von Geburt an männlichen Körper gekoppelt sind (Halberstam 1998). Der englische Ausdruck „Female Masculinity“ bietet sich aus folgendem Grund im Original als Sammelbegriff und als Überschrift für einen Film- und Diskussionsabend mit Dokumentarfilmen zu Übergängen von Frau zu Mann an: Das Englische differenziert auf eine Art und Weise zwischen Körpergeschlecht und Geschlechtsrolle, oder sex und gender, die in der deutschen Übersetzung verloren ginge. „Female“ und „male“ stehen für das Körpergeschlecht (sex), das sogenannte „biologische“ Geschlecht. Das Geschlecht, das einer Person bei der Geburt zugewiesen wird. „Feminine“ und „masculine“ stehen für die Geschlechtsrolle (gender) und damit für bestimmte Verhaltensweisen, die zwar geschlechtlich konnotiert sind, aber auch vom jeweils anderen Geschlecht an den Tag gelegt werden können. So kann es durchaus einen femininen Mann und eine maskuline Frau geben. Das ist im Deutschen genauso wie im Englischen.

Beide Begriffe, „female“ und „feminine“, können im Deutschen mit „weiblich“ übersetzt werden. Das heißt mit dem Begriff „weiblich“ geht die klare Differenzierung der englischen Sprache zwischen Körpergeschlecht und Geschlechtsrolle verloren. Denn der Begriff „weiblich“ kann sowohl das Körpergeschlecht als auch ein Rollenverhalten meinen. „Weibliche Männlichkeit“ wäre dementsprechend nicht dasselbe wie „Female Masculinity“. Denn im Deutschen ist es unklar, ob mit dem Begriff nun Menschen gemeint sind, denen bei der Geburt das männliche oder das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. Im Englischen hingegen ist es klar, dass es um „biologische“ Frauen geht. Mit „Female Masculinity“ geht es also um Formen von Männlichkeit, die von sogenannten biologischen Frauen gelebt werden. Einige Frau-zu-Mann-Aktivisten bevorzugen es, von sich selbst als Männern zu sprechen, die in einem weiblichen Körper geboren wurden (Green 1999). Diese Fixierung ist zwar notwendig, wird aber im gleichen Atemzug wieder unterwandert. Denn die Kombination von „Masculinity“ mit dem Adjektiv „female“ erzeugt eine Spannung zwischen beiden Kategorien, die in der „normalen“ Geschlechterwelt nicht vorgesehen ist. Um diese Spannung zu halten, ist die Fixierung im Bereich des Geburtskörpers notwendig.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt Hilge Landweer, wenn sie sich mit der Frage beschäftigt, inwieweit Travestie und Transsexualität als politische Strategien zur Umdeutung der zweigeschlechtlichen Ordnung zu deuten sind. „Spielen läßt sich mit der Geschlechtsidentität nur dann, wenn man meint, das anatomische Geschlecht zu kennen – oder in anderen Worten: wenn man weiß, welches Spiel gespielt wird“ (Landweer 1994: 146). Damit behauptet Landweer kein, wie sie sagt, „Original“ der Geschlechtsidentität. Dennoch vertritt sie die These, dass die Darstellung von Brüchen auf einen „Boden von Gewißheiten“ angewiesen bleibt, „von dem aus die Brüche als Brüche wahrnehmbar und thematisierbar sind“ (Landweer 1994: 146). Landweer geht davon aus, dass Abweichungen von der Geschlechternormalität wie z.B. Travestie und Transsexualität die Kernkategorien des Geschlechts (Frau/Mann) voraussetzen und bestätigen. Ihrer Ansicht nach deutet sich daher in diesen Phänomenen gerade keine Überwindung der Zweigeschlechtlichkeit an (vgl. Landweer 1994: 140). Inwieweit die Voraussetzung der Kategorien Mann und Frau, auf die auch Formen von „Female Masculinity“ angewiesen sind, tatsächlich immer auch zu einer Bestätigung der Zweigeschlechtlichkeit führt, ist jedoch fraglich. Handelt es sich tatsächlich noch um dieselbe zweigeschlechtliche Ordnung, wenn Männlichkeit von Menschen gelebt wird, die bei der Geburt nicht als Männer kategorisiert worden sind? Wenn Frauen Männer sein wollen, können und dürfen?

Halberstam spürt Ausdrucksformen von „Female Masculinity“ in Filmen, in fiktiven Texten und im wirklichen Leben nach. Entscheidet man sich für das Medium Film, so wird ein Aspekt betont, um den es auch Halberstam in ihrer Arbeit geht: Das Sichtbarmachen alternativer Formen von Geschlecht, besonders von Männlichkeit, steht im Vordergrund. Obwohl die Männerforschung auch in Deutschland im Aufschwung ist, ist die Darstellung alternativer Männlichkeiten bislang eine Lücke. Es wird sowohl im Alltag als auch in der Wissenschaft immer noch davon ausgegangen, dass es eine einfache Verbindung zwischen Männlichkeit und einem „natürlich“ männlichen Körper gibt. Ein männlicher Körper bedeutet demnach männliches Verhalten. Ein weiblicher Körper weibliches. Männlichkeit ist etwas, das man nach dieser Logik überhaupt nur bei Menschen mit einem bei der Geburt als männlich kategorisierten Körper untersuchen kann. Wie kompliziert das Verhältnis von sex und gender sein kann, bleibt bei einer solchen Herangehensweise unberücksichtigt. Löst man die als zwangsläufig erscheinende Verbindung von männlichem Körper und männlichem Verhalten auf, rücken andere Formen von Männlichkeit in den Blick: Tomboys, maskuline heterosexuelle Frauen, maskuline Lesben von soft butch bis stone butch, sogenannte biologische Frauen, die ohne hormonelle oder operative Eingriffe als Männer leben, Frau-zu-Mann-Transsexuelle, die sich hormonell behandeln lassen, oder Frau-zu-Mann-Transsexuelle, die ihren Körper auch operativ verändern. Das Feld alternativer Geschlechter ist weit. Ein Vorteil von Halberstams Begriff von „Female Masculinity“ ist, dass er diese Weite zulässt und umfasst. Halberstam bezieht sich sowohl auf Frauen, die sich mehr maskulin als feminin fühlen, als auch auf Frauen, die sich dazu entschieden haben, als Männer zu leben bzw. auf Männer, die mit einem weiblichen Körper auf die Welt gekommen sind.

Welche Ziele werden mit der Thematisierung von „Female Masculinity“ verfolgt? Zunächst einmal geht es ganz einfach darum, alternative Arten, Geschlecht zu leben, zur Darstellung zu bringen. Und zwar bestimmte alternative Arten. Nämlich solche, die sich mit männlichen Frauen und mit Übergangsbewegungen von Frau zu Mann befassen. Wie eingangs bereits festgestellt, gibt es in der herrschenden Wahrnehmung von alternativen Geschlechtern eine Bevorzugung der Übergangsrichtung von Mann zu Frau. Auch in der Fachliteratur zu Transsexualität hat es bis mindestens Mitte der 90er eine starke Bevorzugung dieser Richtung gegeben. Erst in jüngster Zeit sind Arbeiten (vor allem im Englischsprachigen) auch Arbeiten zu finden, die sich mit Frau-zu-Mann-Lebensweisen beschäftigen (siehe z.B. Cromwell 1999 und Devor 1997).

Ein weiteres Ziel der Thematisierung von Female Masculinity ist es, eine Diskussion innerhalb der feministischen Auseinandersetzung mit Geschlecht über Transgender, Transsexualität und queere Arten des Frau- bzw. Mannseins anzuregen. Der Dialog zwischen trans, queer und traditionellem Feminismus steht in Deutschland ganz am Anfang. Und auch in den USA, die auf eine längere Tradition von politischen Bewegungen im Bereich Queer, Transgender und Zwitter zurückblicken können, gibt es hier noch viel zu tun, auch und vor allem, was die akademische Auseinandersetzung anbelangt. So beteiligte sich Halberstam jüngst mit einem Beitrag zum Thema „Warum wir einen Transfeminismus brauchen“ an einer Konferenz mit dem Titel „Transfeminisms“1.

Im Rahmen dieser Konferenz wurden folgende Fragen diskutiert: Welche Beziehungen bestehen zwischen Feminismus und den politischen Bewegungen in den Bereichen Transgender, Transsexualität, Zwitter? Welche Verbindungen könnten bestehen? Welche Anliegen aus den Bereichen feministisch, queer und transgender sind ähnlich, welche unterschiedlich? Welche politischen und theoretischen Allianzen zwischen Transgender-Communities und feministischen Kreisen gibt es bislang? Wie werden die Kategorien sex und gender, die dem Feminismus zur kritischen Analyse des Geschlechterverhältnisses dienen, durch Transgender, Transsexualität, und Zwitter in Frage gestellt? Welche Strategien hat die Transgender- und Zwitterbewegung von der feministischen Bewegung übernommen? Welche Strategien der Transgender- und Zwitterbewegung können nun umgekehrt vom Feminismus übernommen werden? All diese Fragen sollen nach Aussage der VeranstalterInnen dazu dienen, einen Dialog zwischen feministischen und Transgenderbewegungen zu ermöglichen. Diesem Anliegen schließt sich die Veranstaltungsreihe Geschlechter(un)ordnung an. Es geht dabei vorrangig darum, Fragen über das Verhältnis von Feminismus und Transgender überhaupt erst einmal aufzuwerfen und damit zur Kenntnis zu nehmen, dass es sie gibt.

Ein weiteres Ziel der Veranstaltung stellt in gewisser Weise eine Verbindung der bereits genannten Anliegen des Raumschaffens/Sichtbarmachens und des kritischen Dialogs mit feministischen Fragestellungen dar. Im grünen Spektrum kursiert seit einiger Zeit ein neuer Begriff, die Rede ist von Geschlechterdemokratie. Dieser Begriff und das mit ihm verbundene Konzept versucht, die Männer mit ins Boot zu holen, wenn es um eine Umgestaltung der Geschlechterverhältnisse geht. Es geht um eine Ablösung der seit Beginn der 80er betriebenen Gleichstellungspolitik durch andere Formen der Einbeziehung des Geschlechterverhältnisses, vor allem in der Organisationsentwicklung. Dort mag dieses Konzept auch durchaus sinnvoll sein. Was jedoch das zugrundeliegende Verständnis von Geschlecht anbelangt, so beerbt die Geschlechterdemokratie einen eher altbackenen Feminismus, denn queere Lebensformen, Transgenders und Zwitter werden nicht berücksichtigt. Geschlecht meint nach wie vor „Mann und Frau“. Mit der Veranstaltungsreihe Geschlechter(un)ordnung und der Thematisierung von „Female Masculinity“ ist die Hoffnung verbunden, durch den Raum, den das Thema besetzt, auf dieses reduzierte Verständnis und die mit ihm einhergehenden Auslassungen aufmerksam zu machen.
Zu guter Letzt geht es um das Stichwort Identitätspolitik. Dieses Stichwort zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltungsreihe. Schon beim ersten Abend zur Frage nach geschlechtlicher Selbstbestimmung wurde klar, dass klassische Identitätskategorien an ihre Grenzen stoßen, wenn es um Transgender, Queer und Zwitter geht. Das Thema „Female Masculinity“ eignet sich noch einmal in besonderer Weise dazu, die Frage nach der Notwendigkeit von Grenzziehungen aufzuwerfen (vgl. hierzu Halberstam und Hale 1998, Halberstam 1998a, Hale 1998). Welche Differenzierungen zwischen maskulinen Lesben und FzM-Transsexuellen sind notwendig? Welche Identitäten produzieren welche Ausschlüsse? Welche Unterscheidungen machen politische Bündnisse unmöglich, die in der Auseinandersetzung mit der zweigeschlechtlichen Ordnung durchaus sinnvoll sein könnten?

mit freundlicher Genehmigung von Frau Ulle Jäger

Bibliografie

Jason Cromwell (1999): Transmen & FTMs. Identities, Bodies, Genders & Sexualities. Urbana and Chicago: University of Illinois Press.
Holly Devor (1997): Female-to-Male Transsexuals in Society. Bloomington and Indianapolis: Indiana University Press.
Jamison Green (1999): „Look! No, Don’t! The Visibility Dilemma for Transsexual Men“ in: Kate More und Stephen Whittle (Hg.) (1999): Reclaiming Genders. Transsexual Grammars at the Fin de Siecle. London und New York: Cassel, S. 117 – 131.
Judith Halberstam (1998a): Female Masculinity. Durham, London: Duke University Press.
dies. (1998b): „Transgender Butch: Butch/FTM Border Wars and the Masculine Continuum“ in: GLQ – A Journal of Lesbian and Gay Studies 4:2 1998, S. 287-310.
Judith Halberstam, C. Jacob Hale (1998): „Butch/FTM Border Wars: A Note on Collaboration“ in: GLQ – A Journal of Lesbian and Gay Studies 4:2 1998, S. 283-285.
C. Jacob Hale (1998): „Consuming the Living, Dis(re)membering the Dead in the Butch/FtM Borderlands“ in: GLQ – A Journal of Lesbian and Gay Studies 4:2 1998, S. 311-348.
Hilge Landweer (1994): „Jenseits des Geschlechts? Zum Phänomen der theoretischen und politischen Fehleinschätzung von Travestie und Transsexualität“ in: Institut für Sozialforschung (Hg.) (1994): Geschlechterverhältnisse und Politik. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 139 – 165.

1 „Transfeminisms“ fand am 23. Februar 2002 an der University of California at Santa Cruz statt, und zwar als Gemeinschaftsveranstaltung der Cultural Studies und der Women’s Studies.

Top